Die Komplexität der Kriege by Rasmus Beckmann M.A. (auth.), Prof. Dr. Thomas Jäger (eds.)

By Rasmus Beckmann M.A. (auth.), Prof. Dr. Thomas Jäger (eds.)

Seit das weltumspannende Deutungsmuster des Ost-West-Konflikts für Gewaltauseinandersetzungen in und zwischen Staaten verloren ging, wurde eine extensive Diskussion um die Veränderung des Krieges geführt. Die Entwicklungen der internationalen Ordnung, die Wandlungen von Staatlichkeit, die faktische Ordnungskraft der Globalisierung, die Politisierung von ethnischen Identitäten und Religionen und andere Faktoren bildeten den Rahmen in dem die Gewaltauseinandersetzungen neu beobachtet und interpretiert wurden. Der Krieg wandelte erneut sein Gesicht. Dabei entwickelten und veränderten sich die Mittel der Gewaltanwendung ebenso drastisch wie die Zwecksetzungen der einzelnen Kriegsparteien und Gewaltakteure variierten. Die Komplexität der Kriege wurde in den unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Kriegsgeschehen und die Gewaltverhältnisse deutlich und bildet seither die Grundlage, auf der über die neuen Aufgaben zur Herstellung und Gewährleistung von Sicherheit nachgedacht wird.

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Dass nach dem Ende des Kalten Krieges zunächst eine Vielzahl von „privaten“ Akteuren und Kämpfern in schwachen Staaten sowie an den traditionellen weltpolitischen Konfliktherden, den Rändern der früheren Imperien, auftraten, ist insofern als eine notwendige und historisch oftmals beobachtete Folge des Zusammenbruchs eines großräumigen Ordnungssystems zu sehen. 3 Re-Ideologisierung und Re-Politisierung des Krieges Die weit über 2007 Kriege, die sich zwischen 1945 und der Jahrtausendwende auf der Welt ereigneten, haben nicht zur völligen Auflösung der staatlichen Ordnung der Weltgesellschaft geführt (Schlichte 2006: 18), unter Verwendung einer Unterscheidung der folgenden Realtypen: Dekolonisationskriege, sozialrevolutionäre Kriege, Kriege im Entwicklungsstaat, Kriege im neopatrimonialen Staat und Kriege im peripheren Sozialismus (Schlichte 2006: 7).

In der Zeit des Kalten Krieges, des Wettrüstens zwischen den Supermächten, stand die Welt zwar mehrmals am Rande des atomaren Abgrundes, die jeweilige Gewalt und die Konflikte schienen jedoch in eindeutigen Erklärungsmustern erfassbar zu sein: Ost gegen West bzw. imperialistische Aggression und ökonomische Interessen des militärischindustriellen Komplexes aus der Sicht der einen Seite versus Totalitarismus als das Reich des Bösen aus Sicht der anderen. Durch ihre Erklärbarkeit innerhalb von zwar gegensätzlichen, aber gleichwohl rationalisierbaren Deutungsmustern konnte die Gewalt auch in den Vorstellungen der Menschen eingegrenzt und eingehegt werden.

Und schließlich führen Furcht und Angst vor dem eigenen Tod in ihnen nicht etwa zu einer Ermäßigung und der Begrenzung des Kampfes auf Leben und Tod, wie in der Konzeption von Hobbes, sondern häufig zu deren Eskalation ohne Grenzen (Herberg-Rothe 2007). Selbstmordattentäter töten andere Menschen nicht aus persönlichem Hass, sondern als Angehörige einer anderen, feindlich wahrgenommenen Gemeinschaft. In vielen Fällen müssen diese noch nicht einmal als wirkliche Feinde wahrgenommen werden, vielmehr geht es um die Erhaltung der eigenen Gemeinschaft, ihrer Identität, durch den gewaltsamen Kampf.

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